Mehr Mann als Frau

30. März 2008

Bei meiner noch währenden Suche nach mehr männlichen Models bin ich auf einen netten Herren getroffen, der neben eleganten Männerrollen auch Frauen spielen kann.

Cross-Dressing“ nennt es sich, wenn Männer sich so als Frau verkleiden, dass es möglichst nicht auffällt, im Gegensatz zu „Drag„, bei dem die Geschlechterattribute übertrieben dargestellt werden. Die Verwandlung dauerte mit Schminken und Kleidungswechsel ca. 40 Minuten.

Da die meisten Bildagenturen zu den Themen „Gender„, „Travestie“ bzw. „transgender“ meist nur Fotos von Show-Drag-Queens im Angebot haben, bin ich gespannt, wie diese Fotos ankommen werden.


Sind ihr Geld wert: Suchfunktion und Suchwörter

20. März 2008

Was sind die Kriterien, die eine Bildagentur von anderen unterscheidet? Die drei wichtigsten sind sicher Preis, Service und das Angebot.

Am wichtigsten ist meiner Meinung nach aber ein Unterpunkt von „Angebot“. Das beste Bildmaterial nützt nichts, wenn der Kunde nicht das Foto findet, was ihm vorschwebt. Die Suchfunktion ist deshalb meiner Meinung nach ausschlaggebend für den Erfolg einer Bildagentur.

Das wissen die meisten Agenturen ebenfalls und versuchen mit vielen kreativen Möglichkeiten, diese zu optimieren. Mit Abstand am besten gefällt mir die Suchfunktion des Marktführers Getty Images.

Trotz relativ weniger Suchbegriffe pro Foto bin ich mit zwei bis drei Suchwörtern in der Lage, ziemlich genau das Foto zu finden, was ich mir vorgestellt habe. Grundlage dieses Erfolgs ist ein „kontrolliertes Vokabular“ gepaart mit einem cleveren Thesaurus. Zusätzlich kann im Suchmenü nachträglich nach Alter, Anzahl und Ethnien der dargestellten Personen, nach Konzepten, Blickwinkel, Bildtechnik und Komposition des Fotos gefiltert werden.

Doch auch andere Agenturen haben hilfreiche Ideen zur Verbesserung der Suche. Die Getty-Tochter istockphoto bietet eine Copyspace-Suche, die nur Fotos anzeigt, die an der gewünschten Stelle einen Textfreiraum haben.

Die Schweizer Agentur ImagePoint experimentiert mit einer „Emotionalen Suche„. Auch andere Agenturen wie PantherMedia oder Shotshop versuchen, Emotionen abseits der entsprechenden Suchwörter in die Suche aufzunehmen. Der Haken bei den bisherigen System ist jedoch, dass die auszuwählenden Emotionen nur begrenzt sind. „Freude“ ist jedoch etwas anderes als „Begeisterung“ und „Verlegenheit“ anders als „Angst“.

Ich bin jedoch zuversichtlich, dass solche Anfangsschwierigkeiten behoben werden und vielleicht gehört eine Emotionensuche bald zum Suchstandard. Die vor wenigen Jahren noch innovative Suche nach Farben im Foto ist mittlerweile bei vielen Agenturen zu finden.

Das Hauptproblem sind jedoch die Suchwörter, da die meisten Kunden einfach einen oder zwei Begriffe in die Suchmaske eintippen und auf passende Ergebnisse hoffen. Die Agenturen, welche die Fotografen ihre Bilder selbst verschlagworten lassen, sind da naturgemäß im Nachteil (Stichwort „Keyword-Spamming“ und unterschiedliche Qualität der Verschlagwortung).

Mittlerweile gehen einige Agenturen dazu über, die Suchwörter zu gewichten: Die ersten paar Suchwörter werden bei einer Suchanfrage bevorzugt behandelt. Die Entscheidung, welche Wörter stärker gewichtet werden sollen, trifft bei vielen Agenturen jedoch weiterhin der Fotograf und bleibt somit mitverantwortlich für den Erfolg oder Mißerfolg eines Fotos.

Ich bin gespannt, welche Überraschungen die jungen, frischen Agenturen bei dem Wettrennen um das beste System aus „Suchwörtern“ und „Suchalgorithmus“ bereit halten. Dann das ist für mich der Schlüssel einer erfolgreichen Bildagentur.


Vorbildliches Paarshooting

18. März 2008

Vor ca. zwei Wochen hatte ich ein junges Paar (Dimitra Vlahou und Kosta Lales) im Studio für eine Fotoproduktion, bei der vieles vorbildlich lief: Wir hatten eine persönliche Vorbesprechung, bei der wir auch eine Liste erstellten mit den benötigten Requisiten, die wir aufteilten, um sie zu besorgen.

Die Verspätung von einer Viertelstunde sagten sie rechtzeitig per Handy durch und kamen dann mit 6-7 Pappkartons voll Wechselkleidung und Requisiten an und hatten zu einigen Themen auch konkrete Ideen, wie sie sich Fotos wünschen würden. Auch wenn wir nicht alles umsetzen konnten und trotz umfangreicher Requisiten etwas improvisieren mussten, war es ein gelungenes Shooting.

Nutzungsrechte an den Fotos können wie üblich über meine Foto-Agenturen erworben werden. Aufträge für die Models leite ich gerne weiter.


Datensicherung: Lieber zuviel als zuwenig

13. März 2008

In den letzten Tagen habe ich ca. 100 Gigabyte Rohmaterial (also unbearbeitete Fotos) meiner Kamera auf DVD gebrannt.

Damit habe ich endlich wieder meinen internen Standard wiederhergestellt, nach dem ich alle wichtigen Fotodaten mindestens drei Mal gespeichert haben müsse.
Als wichtige Fotodaten gelten bei mir:
- das Rohmaterial (die unbearbeiteten Fotos aus der Kamera als RAW und Vorschau-JPG)
- die bearbeiteten Fotos gross (als 48-Bit, unkomprimiertes TIFF, AdobeRGB)
- die bearbeiteten Fotos für die Agenturen (als 24-Bit, unkomprimiertes JPG, Adobe RGB)
- Verträge (Model-Releases, Property Releases, Agentur-Verträge)

Ich speichere diese Daten wie folgt:
- auf Marken-DVDs sortiert, mit der langsamsten Brenngeschwindigkeit (bei mir 4x)
- auf zwei externe Laufwerke (je 500 GB-Festplatten von Seagate mit passiv gekühltem Gehäuse), das sind mittlerweile ca. drei Terrabyte.

Die Agentur-DVDs und Veträge habe ich zusätzlich noch auf meiner internen Festplatte und natürlich im Internet bei meinen Agenturen.

Eins der zwei identischen Laufwerke wird, wenn es voll ist, an einem anderen Ort als die andere Festplatte aufbewahrt, sodaß die Daten auch im Falle eines Diebstahls oder Feuers gesichert sind.

Somit sind die allerwichtigsten Daten fünf Mal gesichert, die restlichen Fotodaten drei Mal. Da die Sicherung nicht automatisch, sondern per Hand erfolgt, ist das System leider noch nicht fehlerfrei. Aber immerhin sicherer als das vieler anderer, die Daten höchstens zwei Mal speichern. Die Faustregel von Datensicherung-Gurus liebt bei mindestens vier Sicherungen. Ich kann mich also noch verbessern.

Wie sichert ihr Eure Daten?


Zurück in die Zwanziger Jahre

10. März 2008

Dieser Blog und dieser Beitrag sind umgezogen. Bitte aktualisieren sie ihre Links oder RSS-Feeds.

Der Inhalt ist nun hier zu finden:
http://www.alltageinesfotoproduzenten.de/2008/03/10/zuruck-in-die-zwanziger-jahre/


Deutschsprachige Foto-Blogs

9. März 2008

In den USA gibt es einige hervorragende Blogs, die auch von Berufsfotografen bzw. Fotoproduzenten geschrieben werden. Im deutschsprachigen Raum gibt es eher weniger. Unter anderem deshalb sucht Martin Gommel in seinem Foto-Blog andere verwandte Blogs und stellt einige Fragen, die ich ebenfalls beantworten will.

  • Wie wie lange schreibst Du schon über Fotografie?
    Ich schreibe seit mehreren Jahren für Zeitungen, Zeitschriften und Musikmagazine, mein Foto-Blog „Alltag eines Fotoproduzenten“ ist jedoch mit knapp zwei Monaten noch sehr jung.
  • Über welche Themen der Fotografie schreibst Du am liebsten?
    „In meinem Blog geht es ganz klar um kommerzielle Fotografie, speziell die Stockfotografie und alles was dazu gehört: Die Auswahl der Models, die passende Ausrüstung, die geeigneten Motive, Rechtliches, die Vermarktung etc.
  • Wieviele Artikel veröffentlichst Du pro Woche?
    Bisher waren es ca. zwei bis drei Einträge pro Woche, es sollte sich aber bei ca. einem bis zwei pro Woche einpendeln.
  • Bist Du selbst Hobby- oder Berufsfotograf?
    „Ich fing 1995 als Hobby-Fotograf an und habe dann ganz klassisch mein Hobby zum Beruf gemacht – mit dem Ergebnis, dass ich nun viel weniger fotografiere als vorher, da ich mich auch um Buchhaltung, Organisation, Datensicherung, Marketing, Vertriebswege etc. kümmern muß.“
  • Welchen Artikel würdest Du als Deinen beliebtesten einschätzen?
    Es gibt bisher nur wenig Texte bei mir, deshalb ist die Aussage kaum repräsentativ, bisher wird aber die Übersicht über meine Ausrüstung am meisten gelesen.
  • Welchen deutschen Fotografieblog würdest Du (ausser Deinem eigenen) empfehlen?
    Blogs, die sich auch mit Berufsfotografie beschäftigen und die ich abonniert habe, sind z.B. Zoomfeed oder der Studio-Blog, dazu lese ich private Fotoblogs wie fotografr oder US-Blogs wie Ron Shoots oder Selling Stock.


„Keine Angst, häßlich zu sein“

7. März 2008

Bei der gestrigen Folge der Sendung „Germany’s Next Topmodel“ hat die Kandidatin Wanda beim Casting für einen Werbefilm einige sehr wahre Sätze gesagt:

Auch keine Angst haben, häßlich zu sein. Einfach zu zeigen, hey, wenn ich wütend bin, wenn ich ausraste, dann sieht man ja nicht unbedingt schön aus. [...] Man muss echt aus sich rausgehen und mutig sein, einfach was zeigen und keine Scham haben.

Vor allem bei Fotoproduktionen für Stockfotos trifft das besonders zu, denn hier müssen Emotionen und Bildkonzepte auf den ersten Blick erkennbar sein. Das geht am einfachsten durch Übertreibung. Das fühlt sich bei gespielten Emotionen wie Wut, Überraschung oder Begeisterung schnell blöd oder peinlich an, wird aber durch die Bildsprache des Fotografen wieder so ausgeglichen, dass ein gelungenes Foto entsteht.

Wer jedoch Hemmungen hat, auch mal so zu posieren, dass es vielleicht dämlich aussieht, ist schnell auf die „niedlich-hübsch-brav“-Fotos beschränkt. Viele Stockfotografen arbeiten deshalb bevorzugt mit Schauspielern zusammen und auch ich habe die Erfahrungen gemacht, dass SchauspielerInnen oder SchauspielschülerInnen am schnellsten und gelungendsten gewünschte Emotionen oder Szenen glaubhaft rüberbringen können.


10 + 5 + 4 Fehler bei Model-Bewerbungen

5. März 2008

In seinem Studio-Blog beschreibt Michael Kirchner, welches die zehn häufigsten Fehler von Models sind, wenn sie sich direkt bei Fotografen bewerben. Später fügte er noch fünf weitere hinzu.
Ich kann seine Erfahrungen nur bestätigen und hoffe, dass Models, die sich bei mir bewerben wollen, seine Hinweise zu Herzen nehmen. Außerdem füge ich gerne noch vier weitere Fehler hinzu, die mich oft bei Bewerbungen stören:

- Minimalismus. Das Modell ist auf allen mitgeschickten Foto von der Größe her kaum zu erkennen, dafür umso besser der ganze Eifelturm darüber.

- Coolness. Das Model schaut auf allen Bildern schlecht gelaunt bzw. total cool. Anderen Fotografen ist es vielleicht egal, aber ich suche lebenslustige Menschen, die richtig lachen können. Wer ein schönes Lachen hat, wird eindeutig bevorzugt.

- Unfreundlichkeit. Eine Anrede, eine Verabschiedung, korrekte Rechtschreibung und ein „bitte“, „danke“ etc. wirken Wunder. Mails wie „Würde gerne ein Shooting machen, geht das?“ verbreiten nur schlechte Laune.

- Unzuverlässigkeit. Wenn mal eine Angabe wie Alter, Wohnort oder Größe fehlt, ist das nicht so tragisch und ich frage kurz per Email nach. Wenn ich aber auf eine Antwort jedes Mal mindestens eine Woche warten muss, wirkt das erstens unprofessionell und zweitens zeigt die Erfahrung, dass das auch die Models sind, die kurz vor dem Shooting ihren Termin absagen oder verschieben wollen.


Gut, besser, Superpunk

3. März 2008

Ständig im Studio mit ähnlichem Lichtaufbau ähnliche Themen zu fotografieren, ist auf Dauer langweilig. Deshalb fotografiere ich zur Abwechslung gerne Konzerte. Die sind fast das genaue Gegenteil von Fotoproduktionen: Stark schwankende, schwierige und unkontrollierbare Lichtsituationen, keine Interaktion mit den „Models“ (bzw. Musikern) möglich, Posen sind selten reproduzierbar. Trotzdem oder genau deshalb macht es auch Spaß.

Die Fotos hier sind vom Konzert der Hamburger Gruppe Superpunk, die am 02.03.2008 im Gebäude 9 in Köln spielten. Das schwierige bei diesem Konzert war, gute Fotos vom Keyboarder und Schlagzeuger zu bekommen, da diese Musiker erfahrungsgemäß selten gut beleuchtet werden.

Ich fotografierte mit meiner Canon 5D und dem 70-200mm 2.8 IS USM L-Objektiv, meist bei 1600 ISO und Offenblende, bei den Schlagzeuger-Fotos teilweise sogar mit 3200 ISO. Die Belichtungszeiten fielen mit 1/100s bis 1/30s trotzdem sehr knapp aus.