Der letzte Thread: Blog-Umzug

10. Februar 2009

Jetz gibt es kein Zurück mehr: Der RSS-Feed auf der neuen Blog-Domain www.alltageinesfotoproduzenten.de funktioniert jetzt und damit gibt es keinen Grund mehr, hierzubleiben.
Bitte steigen sie ein, abonnieren sie den neuen RSS-Feed (http://www.alltageinesfotoproduzenten.de/feed) und lesen sie dort alle neuen Artikel!


Blog zieht um: www.alltageinesfotoproduzenten.de

9. Februar 2009

Ich hoffe, es ist das letzte Mal:
Der Blog „Alltag eines Fotoproduzenten“ zieht von der WordPress-Domain endlich auf die eigene Domain:
http://www.alltageinesfotoproduzenten.de

Bitte ändert Eure Links, Bookmarks, Lesezeichen, RSS-Feeds und was auch immer.
Kommentare zum neuen „Blog-Design“ sind auch willkommen, da ist sicher noch nicht alles perfekt.

MEHR NEUE INFORMATIONEN ab sofort nur auf
http://www.alltageinesfotoproduzenten.de


Mein neues Fotobuch „People“

9. Februar 2009

Taraaa! Tusch! Ich habe mein neues Fotobuch veröffentlicht. Der Titel „People“ ist ebenso originell wie der des letzten Buches „Faces“, aber er beschreibt den Inhalt am besten. Es war auch an der Zeit: Mein letztes Fotobuch „Faces“ erschien Anfang 2007 und in diesen zwei Jahren habe ich mich weiterentwickelt.

Fotobuch "People"
So gibt es im neuen Buch viel mehr Außenaufnahmen und Arbeiten „on location“, zum Beispiel bei Models zu Hause oder im Büro. Außerdem habe ich beispielsweise endlich einige Senioren fotografieren können. Das Buch ist hauptsächlich dafür gedacht, neuen Models oder Geschäftspartnern einen Eindruck davon zu vermitteln, in welcher Richtung ich tätig bin und wie mein fotografischer Stil aussieht. Sozusagen mein gedrucktes Portfolio.

Trotzdem ist es möglich, das Buch mit insgesamt 110 Fotos auf 40 Seiten zu kaufen (Informationen zur Verarbeitung und Preis). Die ersten drei Interessenten erhalten das Buch für 36 Euro inklusive Versand. Einfach eine Mail an mich schreiben.


Kurze Antwort wegen falscher Urhebernennung

8. Februar 2009

Ich hatte im Januar hier berichtet, dass im Nachrichtenmagazin FOCUS ein Foto von der Microstock-Agentur istockphoto abgedruckt wurde, als Fotocredit jedoch Getty Images genannt wurde. Vor einigen Tagen erhielt ich nun eine Antwort von einer „Client Relation Specialist“ von istockphoto Germany. Darin wurde mir mitgeteilt, dass die Zeitschrift kontaktiert wurde, aber „die Tragweite des Inhalts für eine Gegendarstellung“ nicht ausreiche. In Zukunft solle das nicht mehr vorkommen. Mal sehen, ob es stimmt.


Germany’s Next Topmodel – Was in der vierten Staffel passiert

5. Februar 2009

Stock-Video killed the Journalist-Star

4. Februar 2009

Die Microstock-Bildagentur Fotolia wird bald auch Videos anbieten. Dazu ermöglicht sie den Mitgliedern, Videos nun per FTP hochzuladen. Vielleicht ist das auch der Grund, warum die FTP-Verbindung zu Fotolia in der letzten Zeit langsam bis nicht erreichbar war: Viele versuchen ihre Videos vor dem offiziellen Start hochzuladen und belasten die Leitungen. Andere Microstock-Anbieter wie istockphoto oder Shutterstock sind ebenfalls seit einiger Zeit im Videomarkt unterwegs.

Reporterin vor der Sendung
In Zeiten von immer mehr Profi-Digitalkameras wie der Canon EOS 5D Mark II oder der Nikon D90, welche Videoaufnahmen in HD-Qualität ermöglichen, ist das Anbieten von Videos eine naheliegende Entscheidung. Mittlerweile entstehen schon die ersten Musikvideos, welche komplett mit diesen neuen Digitalkameras aufgenommen werden. Welche Formate und Codecs akzeptiert werden, wieviel damit verdient werden kann und worauf noch geachtet werden, steht auf einer Übersichtsseite bei Fotolia.

Diese Stock-Videos werden in der Branche „Footage“ genannt, weil sie im Gegensatz zur Liveaufnahme vor der Aufzeichnung gespeichert werden. Früher auf Film, der in „Feet“ gemessen wurde – daher der Name – , heute meist digital.

Was bedeutet das vermehrte Angebot an billigem Footage für die Medienbranche? Analog zur Entwicklung in der Fotografie kann folgendes vermutet werden:

  • Auftragsarbeiten für VJs und Kameraleute gehen zurück und es wird vermehrt auf Stock-Footage zurückgegriffen
  • Anbieter von Macrostock-Footage wie Creatas, Wired Images, Getty oder Corbis mit Preisen von teilweise über 100 Euro pro Sekunde werden über den Preisverfall jammern und stellenweise ihre Preise senken
  • es werden einige Hobby-Filmer entdecken, dass sie mit ihrem Hobby Geld machen können und die guten werden zumindest ein gutes Nebeneinkommen haben
  • die Probleme mit Codecs, Formaten und Video-Standards werden zunehmen

Wer schon mal versucht hat, ein Video bei einem Footage-Anbieter unterzukriegen, weiß, wie kompliziert es ist, alle Bedingungen für Codec, Containerformat, Audioformat, Bitrate, Kompressionsrate etc. zu erfüllen. So erlaubt beispielsweise Fotolia 13 verschiedene Codecs und acht verschiedene Container.


Pimp My Stock! Bildbesprechungen von Stockfotos 03

2. Februar 2009

Ob ich denn nicht mal…? Ab und zu fragen mich andere Fotografen, ob ich Ihnen nicht einige Tipps zur Stockfotografie geben könne.

Klar, mache ich gerne. Aber damit auch andere Fotografen etwas lernen können, möchte ich konkrete Tipps zu konkreten Stockfotos in der Artikelserie “Pimp My Stock” geben. Im Teil drei meiner Serie bittet Martha Spörck um Hinweise, wie sie ihre Stockfotos verbessern kann. Martha ist eine Angestellte aus Wien, die seit 2000 Amateurfotografin ist und seit 2008 mit der Stockfotografie begonnen hat. Sie fotografiert mit einer Canon EOS 40D und einer Walimax-Blitzanlage.

Wer von mir auch kostenlos Tipps haben will, ob seine Fotos “stocktauglich” sind, kann gerne ebenfalls mitmachen.

Und so läuft’s:
- Schickt mir eine kurze Mail, in der ihr Euch vorstellt, z. B. wie lange ihr Fotos macht, mit welcher Ausrüstung, ob und wo ihr schon Fotos verkauft und was ihr in Zukunft in der Stockfotografie-Branche vorhabt.
- Wenn ich ausreichend Zeit habe für Bildbesprechungen, bitte ich Euch, mir 5-10 Bilder in kleiner Auflösung zu schicken.
- Diese werde ich dann in einem Blogbeitrag wie diesem veröffentlichen (auf Wunsch auch anonym) und meine Kommentare abgeben aus Business-Sicht. Also eher nicht, ob eine Blume schön ist oder nicht, sondern wie verkäuflich das Foto sein könnte oder wie es verkäuflicher gemacht werden könnte.
Kritisch, ehrlich, subjektiv.

Nun, aber die Fotos:

2009_4_mg_3887mini

Die Farbauswahl mit dem rosa und rot und der Komplementärfarbe Grün an der Tasse finde ich gelungen, auch die Komposition passt. Trotzdem gibt es viele Dinge zu verbessern, die allein vielleicht nicht relevant sind, aber zusammen doch zu einer „Abwertung“ des Fotos führen. Zum ist der Saum des Pulloverärmels sichtbar ausgefranst, der Faden mit dem Etikett des Teebeutels stört und kann in der 100%-Ansicht eventuell zu Urheberrechtsproblemen führen (Logo, Markenrecht). Außerdem finde ich den Blick des Models unpassend. Der wirkt auf mich eher nach „Ihh, was schwimmt da Ekliges in meinem Tee“ als „Hm, ich liebe heißen Tee“. Und genau dieser Ausdruck würde ein Bild verkaufen.

2009_4_mg_4120mini

Hier dominiert der Anschnitt: Finger, Augen, Haaransatz sind abgeschnitten. Vor allem das Abschneiden der Augen ist ein Tabu und sollte vermieden werden. Das Lächeln des Models überzeugt mich leider wieder nicht. Auch die gesamte Szene ist diesmal seltsam. Eine halbe Walnuss auf der Handfläche? Als Stockfoto zum Thema „Kochen/Ernährung“ würde eine Küchen- oder Essumgebung besser passen und zum Thema „Härte“ hätte die Nuss mit den Zähnen aufgebissen werden können.

2009_4_mg_4129mini

Das Konzept wirkt klar, der Bildaufbau hätte jedoch symmetrischer sein können. Vor allem, dass der Körper nicht in der Bildmitte ist und links vom Arm weniger als rechts zu sehen ist, stört den Bildeindruck.

2009_4_mg_4158mini1

Geldscheine sind ein hervorragendes Requisit für Konzeptfotos. Da hier jedoch sofort zu erkennen ist, dass Spielgeld verwendet wird, schwächt das die Symbolkraft der Bilder stark ab. Diese Art der Fingernägel ist eine Modeerscheinung, welche das Bild schneller veralten lassen kann als notwendig. Was das für ein metallischer Gegenstand ist, den die Hände da halten, habe ich nicht erraten können. Hat jemand eine Idee?

2009_4_mg_4190mini

Auch wieder ein gutes Motiv. Kopfkissen symbolisieren Ruhe und Entspannung. Für ein „müdes“ Model wirkt die Frau jedoch zu aufgestylt und zu stark geschminkt. Der Gesichtsausdruck ist ebenfalls wieder nicht optimal. Er scheint eher Trauer als Gelassenhaut auszudrücken. Mit einem zerknüllten Taschentuch in der Hand unter dem Auge wäre es wieder passend zum Thema „Liebeskummer“.

2009_4_mg_4216mini

Leider gilt auch bei diesem Bild viel von den vorigen Anmerkungen. Das Motiv ist an sich verkaufsträchtig. Immerhin ist 2010 die nächste Fußball-Weltmeisterschaft. Aber Schmuck und Schminke des Models wirken nicht sportlich und als Foto zum Thema „Fan“ oder „Zuschauer“ wirkt der Blick der Frau nicht motiviert und leidenschaftlich genug.

Es schmerzt mir, so viel Negatives zu den Fotos schreiben zu müssen. Aber es wird gut deutlich, dass es für gelungene Stockfotografie auf Kleinigkeiten ankommt. Vor allem die Wahl des Models wirkt für diese Motive nicht ganz glücklich und auch die Accessoires hätten behutsamer genutzt werden können.  Wie seht ihr das? War ich zu kritisch? Oder zu nett?

Verwandte Artikel:
Pimp My Stock! Folge 01
Pimp My Stock! Folge 02


60% Fotografenanteil sind das Höchste der Gefühle

31. Januar 2009

Das behauptet zumindest die Bildagentur myLoupe.com. Der Gründer und Vorsitzende Brian Heston schrieb im aktuellen Newsletter vom 30.01.2009 unter anderem:

„I’ve spent a lot of time preparing and analyzing financial data and projections required for prospective investors to come on board with us. This exercise has brought me to the reluctant conclusion that a royalty rate of higher than 60% is not sustainable over the long term. MyLoupe was founded on the principal that the content creator should be paid the highest possible return on licensing fees. We’ve led the industry with some of the highest royalty rates available. Our commitment to our founding principles remains unchanged, but the “highest possible royalty rate” must be defined by the need to be a profitable and sustainable business.“

Oder anders formuliert: Die bisher beachtlichen 70% der Verkaufserlöse werden um 10 Prozentpunkte auf 60% für den Fotografen gekürzt. Damit liegt die Agentur voll im Trend. Auch viele andere Bildagenturen hatten in den letzten Monaten die Honorare zu ihren Gunsten neu verteilt.

Interessant finde ich vielmehr die Aussage, dass nach intensiver Finanzanalyse klar wurde, dass 60% Fotografenanteil vollkommen okay seien, um langfristig nachhaltig wirtschaften zu können. Das sollten sich einige Bildagenturen zu Herzen nehmen, welche ihren Fotografen nur 20% auszahlen.


Lohnt sich der Vertrag mit Getty Images über Flickr?

29. Januar 2009

Getty Images geht auf Nachwuchssuche und durchforstet dabei systematisch die Online-Bilderplattform Flickr. Fotografen, die den Bildredakteuren von Getty Images positiv auffallen, werden angeschrieben, ob sie nicht Fotos bei Getty Images anbieten wollen. Ich habe hier schon die Vor- und Nachteile dieses Deals beschrieben.

Mann liest Zeitung mit Lupe

Diesmal möchte ich genauer auf den Vertrag eingehen, den Getty Images anbietet.

Die wichtigsten Eckdaten zuerst:

  • Getty Images fordert Exklusivität (auch für ähnliche Motive)
  • Für Bilder, die lizenzpflichtig (oder rights-ready) verkauft werden, bekommt der Fotograf 30%
  • Für Bilder, die lizenzfrei (royalty free) verkauft werden, bekommt der Fotograf 20%
  • Mindestvertragslaufzeit zwei Jahre, danach automatisch Verlängerung um ein Jahr

Von einigen Fotografen, die den Getty-Vertrag erhalten haben, habe ich schon Mails bekommen, weil sie wissen wollen, ob das Angebot gut ist. Um das zu beurteilen, müssen wir uns vor allem die ersten drei Punkte genauer anschauen:

Was bedeutet Exklusivität für Getty Images?

An sich bedeutet Exklusivität, dass ein Foto, was über Getty angeboten wird, nicht woanders verkauft werden darf. Es gibt kleine Ausnahmen, dass z.B. die Fotos weiterhin für „nicht kommerzielle persönliche Zwecke“ oder zur „Eigenwerbung“ genutzt werden dürfen. Außerdem darf der Fotograf selbst „limitierte und/oder nummerierte Kunstdrucke in limitierter Auflage“ verkaufen, aber Getty Images darf exklusiv Drucke der Bilder verkaufen, die nicht limitiert sind.

Zusätzlich betrifft diese Regel jedoch nicht nur Fotos, die bei Getty angeboten werden, sondern auch „ähnliche Inhalte„. Was Getty unter „ähnlich“ versteht, haben sie in einer PDF zur „placement fee collection“ ausführlicher erklärt. Als ähnlich gelten Getty zufolge Bilder, wenn:

  • das gleiche Model verwendet wird
  • die gleiche Kleidung verwendet wird
  • die gleichen Requisiten verwendet werden
  • die gleiche Location oder Inneneinrichtung verwendet wird
  • die Komposition gleich ist
  • die „Atmosphäre“ gleich ist
  • die Idee, das Konzept oder die „Story“ gleich sind
  • die Handlung gleich ist
  • die Technik gleich ist

Ihr seht, die Ansprüche sind groß und vielfältig. Vor allem Fotografen, die einen „eigenen Stil“ haben, werden bei solchen Anforderungen schauen müssen, ob ihre Bilder sich nicht alle ähnlich sehen.

Rechtliche Hürden

Um den Getty-Vertrag annehmen zu können, wird eine Steuernummer verlangt. Wer keine hat, muss sich eine besorgen und damit auch die Buchführungspflichten (mindestens als Kleinunternehmer) erfüllen. Außerdem verlangt Getty Images, wenn notwendig, Model Releases und/oder Property Releases. Das sind schriftliche Genehmigungen von Personen, die auf den Fotos sichtbar sind bzw. von den Eigentümern von Privatgrundstücken o.ä. Das kann bei Fotos, die vor Jahren im Urlaub entstanden sind, z.B. schwer zu erfüllen sein.

Wieviel verdient der Fotograf?

Am Ende stellt sich die Frage, wieviel der Fotograf dabei verdient. Die 20-30% sind leider am unteren Ende des Markniveaus. Oder formulieren wir es so: Ich kenne keine Bildagentur, die sich traut, den Fotografen weniger als 20% zu zahlen. Diese Prozente sind auch unter den Werten, die „normale“ Fotografen bei Getty Images erhalten, z.B. je nach Collection 30% (Iconica (RR)) bis 40% (Tony Stone (RM). Ich denke, Getty wird damit argumentieren, dass sie die Bilder aufwändig verschlagworten und technisch „aufbereiten“ muss.

Wenn Verkäufe nicht über Getty Images selbst, sondern über Partneragenturen erfolgen, wird deren Anteil vorher abgezogen und der Verdienst wird wieder geringer. Im Vertrag unter Punkt 14 (Lizenzabzüge) stehen noch weiter Fälle, bei denen der Fotograf weniger Geld erhält.

Ob einem diese Konditionen zusagen und der Fotograf bereit ist, seine Fotos exklusiv herzugeben, muss jeder selbst entscheiden. Einige Fragen beantwortet Getty Images auch hier.

Da eine Einladung von Getty Images jedoch einer Art Ritterschlag gleichkommt, welche die Aufnahme in den Bildermarkt erlaubt, wäre denkbar, dass sich einige Fotografen mit ihren besten Bildern bei anderen Bildagenturen bewerben, die bessere Konditionen als Getty Images anbieten. Vor allem für spezialisierte Fotografen kann das sinnvoll sein.

Die Herausforderung ist aber eine andere. Ich habe mir von einigen Fotografen, die Getty eingeladen hat, das Flickr-Portfolio angeschaut. Einige der Fotografen meinten, sie wüssten gar nicht, was an ihren Bildern so toll sei und ob sich diese verkaufen würden. Ich habe diese Motive jedoch schnell erkannt. Ob die Fotografen dann aber auch die richtigen Bilder raussuchen, um damit bei anderen Bildagenturen hausieren zu gehen, ist eine andere Frage. Hier weise ich dezent auf mein „Pimp My Stock!„-Angebot hin, bei dem ich kostenlos Tipps zur Portfolio-Auswahl gebe.

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Jetzt seid ihr dran: Was meint ihr? Wer hat auch einen Getty-Vertrag über Flickr erhalten? Wie findet ihr die Konditionen? Gibt es weitere wichtige Punkte, die ich nicht erläutert habe?


Rezension: „Andreas Feiningers große Fotolehre“ von Andreas Feininger

28. Januar 2009

Schade, dass dieser Mann tot ist. Knapp 20 Jahre arbeitete der geborene Franzose Andreas Feininger in den USA für das legendäre Life-Magazin. Dank Google können seine Fotos für das Heft auch online gefunden werden. Neben zahlreichen Bildbänden veröffentlichte Feininger auch zahlreiche Sachbücher über die Fotografie, von denen sich viele zu Standardwerken entwickelten. Eines dieser Standardwerke ist „Andreas Feiningers große Fotolehre“ (ISBN 3-453-17975-7).

Andreas Feiningers grosse Fotolehre

Das Buch erschien zuerst 1978 und wird mittlerweile seit 2001 in der 7. Auflage verkauft. Von außen sieht es unscheinbar aus, aber das Buch hat es in sich. Auf fast 500 Seiten (mit kleiner Schrift) legt Feininger die Grundlagen der Fotografie dar. Der erste Teil beschäftigt sich mit der Ausrüstung, zum Beispiel, wie eine Kamera aufgebaut ist oder wie bestimmte Objektive funktionieren. Dabei geht es weniger um konkrete Modelle, sondern um die physikalischen und technischen Grundlagen, die jeder Fotos unterscheiden können sollte. Der nächste Teil erklärt, wie ein Foto technisch korrekt belichtet wird. Nicht die Komposition wird erklärt, sondern wann ein Foto scharf und weder über- noch unterbelichtet wird. Der dritte Teil mit knapp 100 Seiten dreht sich nur um die Film- und Bildentwicklung in der Dunkelkammer. Im letzten sehr ausführlichen Teil geht es um die Bildgestaltung, um die psychologischen Elemente vor einer Aufnahme und Aspekte wie Licht, Farbe, Kontrast, Tiefe und Bewegung, die berücksichtigt werden sollten.

Der Grund, warum Feiningers Bücher zu Klassikern wurden, wird beim Lesen schnell klar. Der Mann hat eine Meinung, die er auch begründen kann, er weigert sich, ins Detail zu gehen, bevor nicht die notwendigsten Basisinformationen geklärt sind, erklärt zu jedem Vorteil auch dessen Nachteile und er besteht darauf, dass die Technik immer nur Mittel zum Zweck bleiben wird. Das wichtigste eines guten Fotografen ist immer noch seine Sichtweise, sein Gefühl und sein Sachverstand beim Fotografieren.

Das Ganze packt er auch noch in nette, zitierfähige Sätze wie:

Das Bild eines schönen Mädchens ist nicht unbedingt ein schönes Bild“ (S. 271)

oder

Im Grund genommen ist eine Kamera ebensowenig schöpferisch wie ein Klumpen Ton. Aber ein Tonklumpen wie auch eine Kamera kann in der Hand des Künstlers zu einem Mittel schöpferischer Offenbarung werden“ (S. 437).

Leider ist Feininger schon 1999 in New York gestorben und kann leider nicht mehr den Staub seines veralteten Buches abpusten. Das Kapitel über die Dunkelkammer ist für digital arbeitende Fotografen sinnlos geworden, ebenso lange Abschnitte über die Unterschiede verschiedener Filme oder die Verwendung von Kolbenblitzen. Mindestens die Hälfte des Buches ist für moderne Profis obsolet. Auch der Fototeil mit Beispielbildern sieht deutlich nach den 1970er Jahren aus, erfüllt immerhin trotzdem den Demonstrationszweck. Dafür ist die andere Häfte weiterhin zeitlos gültig und durch das ausführliche Stichwortverzeichnis auch als Nachschlagewerk zu gebrauchen. Dazu motiviert es, sich statt mit der Kamera wieder mehr mit den Motiven zu beschäftigen. Könnte Feininger noch etwas sagen, würde mich seine Meinung zu Digitalkameras, Bildsensoren und Photoshop sehr interessieren.

Für knappe 13 Euro ist das Taschenbuch auch bei vielleicht nur 200 noch aktuellen Seiten lohnend.

Bisherige Rezensionen:
Rezension: “Porträts gekonnt retuschieren mit Photoshop” von Matthias Matthai
Food Styling For Photographers” von Linda Bellingham und Jean Ann Bybee
Microstock Photography. How To Make Money From Your Digital Images” von Douglas Freer
Wie sie mit eigenen Fotos Geld verdienen” von Helma Spona
Fotos sehen, verstehen, gestalten” von Martin Schuster
Mit eigenen Fotos Geld verdienen” von Lee Frost